Yang Lu-Chan (1799-1872),
der Begründer des Yang-Stils, war, wie Chang
San-Feng, Meister der äußeren Kampfkünste und
damit nicht mehr zufrieden. Er hörte vom berühmten Tai-Chi-Meister
Ch'en Chang-Hsing
(Chen-Stil, und weil er als Fremder keine Aussicht hatte, als Schüler in
die Familie aufgenommen zu werden, unternahm er es, als angeblich taubstummer
Diener ins Haus zu gelangen.
Heimlich beobachtete er den abendlichen Unterricht, und übte nachts, was er
gesehen hatte. Nach etlichen Jahren wurde er entdeckt und erwies sich als so
fähig, dass ihn der Meister nach verschiedenen Prüfungen als Schüler annahm.
Später reiste er durch China, besiegte 18 berühmte Meister mit nicht mehr als
jeweils zwei Bewegungen und erhielt den Beinamen »Yang, der nicht kämpft«. Er
begann in Peking öffentlich zu unterrichten, konnte damit aber nicht
fortfahren, weil er zum Lehrer des Kaisers bestellt wurde.
Seine Söhne Yang Chien-Hou
(1839-1917) und Yang Ban-Hou (1837-1892)
führten seinen Stil fort. Yang Ch'eng-Fu (1883-1936),
ein Sohn des Yang Chien-Hou, gilt als berühmtester
Meister dieses Jahrhunderts. Er reiste viel und verbreitete den Yang-Stil in
ganz China. Von den Tausenden seiner Schüler wurden nur wenige in die Tradition
und die Geheimnisse des Familien-Stils eingeweiht, und später als Meister des
authentischen Yang Stils autorisiert.
Yang Shou Chung (Yeung Sau Chung) (1910-1985),
der älteste Sohn von Yang Cheng-Fu, wurde von diesem
seit seinem achten Lebensjahr ausgebildet, und nach dessen Tod Nachfolger in
der Familientradition; drei weitere jüngere Brüder von Yang Shou
Chung leben heute in China (Yang Zhen
Yi (1921),
Yang Zhen Do (1926)
und Yang Zhen Kwok (1928). Yang Shou
Chung hatte seit 1949 in Hongkong, neben seinen drei
Töchtern Amy (Tai-Yee; 1950), Mary (Ma-Lee, 1952) und Agnes (Yee-Li, 1958), nur drei autorisierte
Meisterschüler ausgebildet: Meister Ip Tai-Tak (1929-2004) (Hongkong), Meister King-Hung Chu
(London, GB, 1938), und Meister Gin
Soon-Chu (Boston, USA, 1934). Heutzutage haben wir das Glück, dass die Tochter Mary Yang
von Yang Sau Chung das ursprüngliche Wissen der
Familie (Yang Stil Tai Chi
Chuan) weitergeben möchte. Ich lerne und erhalte, beispielsweise über meinen
Lehrer Stephan Hagen, aus Hamburg, die Informationen aus direkter und
ursprünglicher Quelle!
Doch auch andere Schüler betätigten sich als
Lehrer und gaben weiter, was sie unvollständig gelernt hatten. Das erklärt,
warum der Yang-Stil heute in so vielen »öffentlichen« Varianten auftritt. In
der Volksrepublik China wurde 1955 von der Regierung eine kurze Fassung
veröffentlicht, die sogenannte „Peking-Form“, die möglichst vielen Menschen möglichst rasch das
Erlernen von Tai Chi Chuan
ermöglichen sollte.
Auch im Westen, zunächst in den USA, in Kanada und England, und in den letzten
Jahren auch in West-Europa, ist der Yang-Stil die am meisten verbreitete
Form.
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